Herbstreise Südtirol

Die IG Weidemilch organisierte vom 8.10. bis am 10.10.2025 eine Fachreise ins Südtirol. Auf der Hinreise wurde dabei auch noch ein Betrieb im Val Müstair besichtigt. Wie immer war neben der fachlichen Weiterbildung auch die Geselligkeit ein wichtiger Teil der Reise.

Janic Fasser, Val Müstair

An einem nebligen Mittwochmorgen machten sich 30 gut gelaunte Mitglieder der IG auf den Weg ins Südtirol. Bereits im Bündnerland traf der Reisecar auf wunderschönes Herbstwetter, welches die Fahrt über den verschneiten Flüela und Ofenpass zu einem Erlebnis machte. Der erste Besuch galt Janic Fasser, Landwirt und Geschäftsführer der Chascharia Val Müstair. Er gab uns einen Einblick in die Milchverarbeitung und Vermarktung der hergestellten Produkte. Die Käserei verarbeitet rund 1.2 Mio. silofreie Biomilch von 13 Produzenten, welche in der näheren Umgebung ihre Höfe und Alpen haben. Im Sommer wird viel Frischware wie Trinkmilch und Joghurt produziert, da durch den Tourismus deutlich mehr Leute im Tal wohnen und beherbergt werden. Im Winter wird vor allem Hartkäse und Butter produziert, welche für den Sommer wieder eingefroren wird. 80% der Produkte wird an regionale Läden verkauft, da es viele Ferienwohnungen im Tal hat. Sämtlicher Käse muss portioniert und vakuumiert werden, weshalb der Personaleinsatz hoch ausfällt.

Nach einer feinen Degustation ging es zu Fuss zum Rohbau von Janics neuem Stall. Nach 4 Jahren Standortabklärung realisiert er einen Neubau ausserhalb der beengten Verhältnisse im Dorf bei seinen Weideflächen. Durch die Höhenlage kürzere Vegetationszeit fallen die Kosten für Hofdüngerlagerung hoch aus. Seine gemischte Herde, bestehend aus Tieren der Rassen Brown Suisse / Norwegisch Rotbunt und Kiwicross, sollte in einem Jahr einziehen können. Weiden kann er seine Kühe von anfangs Mai bis Ende Oktober und macht bei den übrigen Flächen 3-4 Schnitte. Die Niederschlagsmenge beträgt nur ca. 600mm / Jahr, sämtliche Flächen können bewässert werden.

Nach kurzer Fahrt über die Grenze ins obere Vinschgau verbrachten wir die Nacht in Mals. Die Fahrt nach Brixen am nächsten Tag machte uns keine Mühe, da es rege Diskussionen untereinander gab und immer die Möglichkeit bestand, sich neben jemand anderen zu setzten. Landschaftlich war es weniger abwechslungsreich, da es vor allem kleinstrukturierte und sehr intensiv geführten Obstanlagen zu sehen gab. Die Ernte war in vollem Gange und wir kreuzten viele schmalspurige Traktoren voll beladen mit Obstpaloxen.

Andreas Stockner, Brixen

Herzlich empfing uns die Familie Stockner auf dem Schnagererhof. Die Familie empfängt seit 1919 Gäste aus der ganzen Welt. Nach einem feinen Zmittag, besichtigten wir das Gästehaus mit fünf Ferienwohnungen und Wellnessbereich. Das Frühstück und Produkte vom Hof können vor Ort konsumiert und gekauft werden.

Andreas traf 2004 erstmals Peter Thomet an einer Waldhoftagung in Langenthal. Gleich danach setzte der Bio Landwirt die Vollweide mit als Kurzrasenweide zu Hause um, damals noch mit grossen milchbetonten Brown Suisse Kühen, die sein Vater gezüchtet hat. Mittlerweile hat er diese Tiere mit Jersey eingekreuzt auf ein Koppelweidesystem umgestellt. Weidestart ist Ende März, ab Ende April ohne jegliche Zufütterung im Stall. Silogeruch und Immissionen auf dem Betrieb, in Kombination mit ganzjähriger Gästebewirtung veranlassten die Familie auf die Umstellung zu silofreier Milchproduktion. Gerne würde Andreas auch Weidegenetik aus Neuseeland einsetzen, die aber in Italien fast nicht erhältlich ist.

Zurück in Mals, starteten wir nach dem Abendessen traditionell ein Kegelturnier, was eine gute Abwechslung zum Sitzen im Car war.

Alexander Agethle, Schleis

Auf dem Busparkplatz holte uns Alexander Agathle per Fahrrad ab und wir wanderten zu Fuss nach Schleis zu seinem Hof. Eindrücklich erklärte uns Alexander die Geschichte und Begebenheiten vom Tal. Auch hier gibt es nur 500-600mm Niederschlag pro Jahr und hat zudem sehr viel Wind. 400ha können Beregnet werden. Alle Betriebe sind von einer Zerstückelung betroffen. Alexander hat 10ha Land auf 20 Parzellen in einem Umkreis von 15km verteilt. Die Landwirtschaft ist hier vom intensiven Obstbau ein wenig abgekommen, da der intensive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln von Bevölkerung und Touristen nicht mehr gerne gesehen wird und mit dem Russland-Embargo der Obstexport stark einbrach.

Nach 20 Jahre auswärtiger Arbeit kam Alexander zurück zu auf den elterlichen Betrieb und stellte anhand der Buchhaltungsergebnisse der letzten Jahre fest, dass die intensive Milchproduktion mit viel Kraftfutter auf dem Kleinbetrieb nicht rentabel war, sondern eher ein Zeitvertrieb. Er strebt nun qualitatives Wachstum an. Das Nachbargebäude konnte erworben werden und es wurde eine Hofkäserei gebaut. Darin wird die Milch der 13 Original Braunvieh Kühe verarbeitet. Auch bei der Finanzierung der Projekte ging er ungewohnte Wege:

10 Jahre im Voraus hat die Familie Agethle den Käse an Kunden verkauft. Auch für den Ausbau der Mietwohnung im Obergeschoss wurde ein Mieter gesucht, welcher den Mietzins von 20 Jahre im Voraus bezahlen würde. Es klappte und die Projekte konnten realisiert werden.

Zurzeit füttert er die Kühe nur mit Gras und Heu und die Kühe kalben saisonale im Herbst ab. Er macht sich aber intensiv Gedanken darüber, ob er den Zeitpunkt nicht gegen Ende Winter schieben soll. Daraus entstand eine interessante Diskussion und es wurden viele Erfahrungen ausgetauscht. Seine Kühe gehen im Sommer auf die Alp. Obwohl der Alpkäse günstiger verkauft wird als sein eigener Hofkäse, wäre es daher interessant mehr Milch auf der Alp zu Melken, dadurch eine günstigere Winterfütterung zu haben und mehr Lebensqualität im Winter zu erreichen.

Die behornten Kühe werden mitten im Dorf im Boxenlaufstall gehalten. Die Weiden können nur durch die asphaltierte Dorfstrasse erreicht werden. Ein Stallneubau als Einzelprojekt für 13 Kühe wäre unrentabel und jetzt über die berufliche Zukunft seiner Kinder zu entscheiden stehe ihm nicht zu, so Alexander Agethle.

Nach einer Käse Degustation vor dem Hofladen traten wir die Heimreise in die Schweiz an.

IG Weidemilch, Anna-Barbara Moser

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