Länger Weiden dank Stoppelrüben!

Direkt von den Kühen geweidetes Futter ist 3 – 4
Mal kostengünstiger als Heu oder Silage. Deshalb ist die Ausdehnung der
Weideperiode im Herbst wirtschaftlich vorteilhaft. Stoppelrübensaatgut
ist billig, die Anlagetechnik einfach und das Ertragspotential bei kühlen
Temperaturen hoch.
Die Stoppelrübe (auch Weissrübe, Herbstrübe, Wasserrübe,
Steckrübe, „Suurrübe“ oder „Räbeliechtli“
genannt) wurde früher in Nordeuropa sehr geschätzt. Sie wurde von
Hand geerntet und im Stall verfüttert. Ende der 70er Jahre entdeckte
man dann das Potential der Stoppelrüben als Weidefutter.
Die Züchtung von Sorten mit aus dem Boden ragenden Rübenkörpern,
machte dem Rindvieh auch das Fressen des Rübenkörpers möglich.
In Australien, Grossbritannien, Neuseeland und in den USA ist die Stoppelrübe
mittlerweile eine beliebte Pflanze für die Herbst- und Winterweide.
Viel mehr Ertrag als andere Zwischenfutter
In nur 80 Tagen nach der Aussaat im August wachsen in der Regel
60 bis 70 dt Trockensubstanz heran, das ist mehr als doppelt so viel wie von
zwei Schnitten der Standardmischung SM200. Auch andere Kreuzblütlerkulturen
wie Chinakohlrübsen können da nicht mithalten. Wichtig für
die Beweidbarkeit ist der Anteil der Rübenkörper. Er sollte gegen
50% betragen. Wegen ihrem hohen Ertragspotential und dem hohen Anteil des
Rübenkörpers sind vor allem die Sorten Vollenda, Samson und Marco
zu empfehlen. Der Rübenkörperanteil ist allerdings nicht nur eine
Sortenfrage, sondern hängt auch von der Saatdichte ab. Eine tiefe Saatmenge
von 4 kg/ha führt zu einem deutlich höheren Rübenkörperanteil
gegenüber der doppelten Saatmenge.
Hoher Netto-Ertrag bei Herbstbeweidung
Bei der Herbstbeweidung sind die hohen Weideverluste von bis
über 40 % das grösste Problem. Insbesondere bei nasser Witterung
werden viele Rübenkörper in den Boden getreten. Die Weidetechnik
von Stoppelrüben ist deshalb sehr wichtig. Die Erfahrungen von Weideversuchen
und aus der Praxis zeigen, dass die zugeteilte Fressfläche nicht zu gross
sein darf, damit die Tiere nicht zu viele Pflanzen in den Boden treten und
das Futter verschmutzen. Die geringsten Verluste resultieren, wenn täglich
nur einschmaler Streifen längsseits des Feldes neu zugeteilt wird. Die
Kühe frassen dann unter dem Elektrozaun durch und betreten die Rüben
nicht. So ist es möglich, auch bei nasser Witterung die Verluste unter
30 % zu halten. Übrigens braucht es ein paar Tage, bis die Kühe
den Verzehr von Stoppelrüben erlernen. Kommen sie aber einmal auf den
Geschmack, so ziehen die Tiere die Stoppelrüben einer gleichzeitig angebotenen
Grasweide vor.
Futterqualität ist gut
Der Nährwert der Stoppelrüben ist hoch und kann mit
jungem, gutem Weidegras verglichen werden (Tabelle).

Der Anteil Stoppelrüben in der Grundfutterration darf bis zu 50 % betragen,
ohne dass gesundheitliche Probleme zu befürchten sind. Wegen der Gefahr
von hohen Nitratgehalten der Stoppelrüben wird aber empfohlen, nicht
mehr als 60 kg N/ha zu düngen. Bei Käsereimilchproduktion sollte
darauf geachtet werden, dass die Stoppelrübenbeweidung bei grosser Verschmutzungsgefahr
der Kühe (sehr nasse Witterung) unterbleibt, da erhöhte Gehalte
von Buttersäurebakterien auftreten.
Bodenverdichtungen vorbeugen
Um die Trittfestigkeit des Bodens möglichst zu erhalten, sollte die
Bodenbearbeitung ohne Pflug erfolgen. Am wenigsten Probleme mit Bodenschäden
und verschmutzten Tieren hat man bei Direktsaat. Stoppelrüben sind wegen
ihrer Anspruchslosigkeit beim Ansäen besonders gut für die Direktsaat
geeignet.
Vor- und Nachteile der Stoppelrüben
Positiv: Verlängerung der Weideperiode, hoher Ertrag, rasches Wachstum,
billiges Saatgut, schmackhaftes Futter.
Negativ: Bodenverdichtungen, starke Verschmutzung der Tiere und der Stoppelrüben
bei feuchten Bedingungen, hohe Weideverluste, hoher Arbeitsaufwand (Zäunen),
Fruchtfolgeprobleme bei Rapsproduktion.