Joghurt-Tränke
Susanne und Joss Pitt-Käch
Das Füttern der Kälber mit Joghurtmilch anstelle
von Milch ist eine mögliche Massnahme zur Reduktion von Durchfall und
zur Vereinfachung des Tränkens.
Verminderte Durchfallrate
Die Vergärung des Milchzuckers durch die Bakterienflora und die Absenkung
des pH-Wertes scheint die Verdauung zu fördern. Die Besiedelung des Darms
durch die Joghurtbakterien kann auch die Entwicklung pathogener Keime im Darm
vermindern. Eine Untersuchung in Frankreich zeigt eine deutlich reduzierte
Durchfallrate bei Aufzuchtkälbern. Erfahrungen einiger Mitglieder der
IG Weidemilch, die das Joghurtmilchverfahren anwenden, bestätigen diese
Erkenntnisse.
Vereinfachung des Tränkens
Die Tränketemperatur spielt bei der Verabreichung von Joghurtmilch
keine Rolle. Das erhöht die Flexibilität beim Tränken und erübrigt
das Nachwärmen der Milch. Zudem kann man das Joghurt-Milchgemisch ohne
weiteres im Tränkegefäss stehen lassen; die Kälber können
so die Milch über den ganzen Tag verteilt aufnehmen. Mit einfachsten
Mitteln kann auf diese Weise quasi der gleiche Rationalisierungseffekt erreicht
werden, wie mit einem Tränkeautomaten. Auf dem Markt sind Gruppentränkeeimer
mit Gummisaugern erhältlich, die sich gut für diese Tränkemethode
eignen. Einige IG-Weidemilch-Mitglieder haben Eigenkonstruktionen entwickelt,
die sich ebenfalls bewährt haben.

Self-made Tränke von Beat Brönnimann.
Herstellung der Joghurtmilch
Es gibt verschiedene Methoden zur Herstellung von Joghurtmilch. Das Prinzip
bleibt aber das gleiche: der (ungekühlten) Milch wird eine Joghurtflora
beigefügt und das Gemisch wird einige Stunden (in einer nicht zu kalten
Umgebung) stehen gelassen.
Rezept :
1 kg Nature-Joghurt wird mit 10 l kuhwarmer Milch gemischt und bis zum
nächsten Melken stehen gelassen. Ist es im Milchraum deutlich unter 20°C
empfiehlt sich die Lagerung an einem wärmeren Ort oder in einem Wasserbad;
eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Gemisch mit dem Milchwärmer
einige Zeit auf niedrigster Stufe (20 - 30 °C) nachzuwärmen.
Beim nächsten Melken wird dem Joghurt die an die Kälber zu vertränkende
Menge beigefügt (oder umgekehrt); 10 l des Gemischs werden wieder wie
oben beschrieben zur Seite gestellt; der Rest wird vertränkt.
Übersteigt die für die Kälber verwendete Menge 50 l pro Tränkevorgang,
sollte der vergorene Anteil erhöht werden; das Verhältnis sollte
mindestens 1 Teil Joghurt zu einem Teil Milch betragen; ein höherer Joghurtanteil
ist durchaus möglich; es gibt aber offenbar Kälber, denen zuviel
Joghurt nicht schmeckt. Andererseits empfiehlt der Versuchsbetrieb von Trévarez
(Frankreich), offenbar ebenfalls mit Erfolg, das Joghurt-Milchgemisch vor
dem Vertränken noch einmal 12 Stunden nachreifen zu lassen!
Das Joghurt wird je nach Gärverlauf alle 1 - 3 Wochen neu angesetzt.
Wird das Joghurt dick, ist das kein Problem, sondern ein Zeichen, dass die
Gärung intensiv ist! Sollte es dadurch zu Verstopfungen in den Saugern
kommen, schaffen eine Reduktion der Gärtemperatur und eine Verdünnung
des Joghurts mit Milch Abhilfe. Ansonsten gilt es ähnliche Grundsätze
wie beim Kochen zu beachten: Hygienisch arbeiten und die Sinne arbeiten lassen;
am Joghurt riechen oder allenfalls schmecken geben Aufschluss über die
Qualität des Produkt.
Biestmilch verwerten
Ein weiterer Vorteil des Milchvergärens ist, dass mit überschüssiger
Biestmilch der ersten Laktationswoche Reserven für einige Tage angelegt
werden können, wenn der Anfall den Bedarf der Kälber übersteigt.
Zwar können die Immunoglobuline des Colostrums bei älteren Kälbern
nicht mehr durch die Darmwand aufgenommen werden, aber Colostrum kann im Darm
das Wachstum krankmachender Keime hemmen. Während Biestmilch gut vergoren
wird, muss auf die Verwendung von Antibiotika-haltiger Milch verzichtet werden.
Im Handel sind auch Milchfermente erhältlich, die zur Stabilisierung
von Schotte oder Magermilch verwendet werden (z.B. Stabilac von Künzle-Farma).
Diese Fermentpulver werden zum Ansetzen der Kultur gleich verwendet wie Nature-Joghurt,
haben aber zum Vorteil die noch einfachere Handhabung und eine stabilere Gärung.
Treten bei der Anwendung der Joghurt-Tränkemethode Fragen auf, können
sich interessierte an die Vorstandsmitglieder der IG-Weidemilch wenden.
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