Frühlingsexkursion vom 3. April 2008:
Homoöpathie auf der Weide und im Stall
Thomas Blättler und Beat Brönnimann
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Stefan Jegge führt uns in die Entstehung der Homöopathie
ein. Sie wurde vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann um 1800 begründet.
Unter anderem im Selbstversuch hat er festgestellt, dass „ Ähnliches
oft mit Ähnlichem“ geheilt werden kann. Durch die so genannte Potenzierung
(starke Vermischung und Verdünnung) der natürlich gewonnenen Mittel
und dem ganzheitlichen Ansatz bei der Erfassung des Krankheitsbildes entstand
die heutige Homöopathie.
Stefan Jegge hat bei der Umstellung seines Betriebes auf den
Bio-Landbau den Zugang zu dieser Behandlungsform gefunden. Da in der biologischen
Landwirtschaft grundsätzlich natürliche und ganzheitliche Lösungsansätze
bevorzugt werden und zudem beim Antibiotika-Einsatz doppelt so lange Sperrfristen
eingehalten werden müssen, war es nur ein logischer Schritt, dass sich
Stefan bald intensiv mit der Homöopathie beschäftigte. Er hat seither
viele Kurse (v.a. bei Lechel Uschi, Deutschland) besucht und mannigfaltige
persönliche Erfahrungen gesammelt, die er uns ausführlich schildert.
Wohl am erstaunlichsten und typischsten ist die Behandlung
einer Kuh, die eines Morgens durch apathisches Verhalten, Fress-Unlust, Durchfall,
starken Milchrückgang und Fieber von 41,5° Grad auffiel. Statt den
Tierarzt zu alarmieren verabreichte Stefan der Kuh Aconitum C 200 und erreichte
damit eine Absenkung der Fieber auf 38° innerhalb von 2 Stunden. Nach
einer weiteren Behandlung mit Apis, Nux vomica und Lachesis nahm dann auch
die Fresslust wieder zu. Die erfolgreiche Behandlung bedurfte aber verschiedener
Behandlungsschritte und erstreckte sich über mehrere Tage. Stefan betont,
dass der Einsatz homöopathischer Mittel auf dem Bauernhof eine gute Grundschulung,
noch intensivere Beobachtung der Tiere und oft etwas Geduld verlangt.

Die Erfolge sind bei Braun Hans ebenso erstaunlich. Seit fünf
Jahren wird auf seinem Betrieb keine Antibiotika mehr eingesetzt. Dies zahlt
sich bei ihm auch beim Milchpreis aus, da er diese als NOP-Milch für
Baby-Nahrung und Spezialprodukte verkaufen kann. An verschiedenen Fallbeispielen
und mit Zellzahlen der behandelten Kühe über mehrere Laktationen
illustriert uns Hans seine Behandlungsmethoden und Erfolge mit der Homöopathie.
Bei der Anwendung erfahren wir verschiedene Methoden: Stefan
nimmt die Kügelchen in die trockene Hand und legt sie der Kuh direkt
unter die Zunge, während Hans sie ohne Berührung auf die Schleimhaut
der Scheide „wirft“ (Nebenbei: die Aufnahme der Präparate
erfolgt am besten über die Schleimhäute).
Spezielle Beachtung findet die Behandlung von Kühen mit
hartnäckigen Euterentzündungen, wo beide Landwirte eigene Präparate
mit der Milch vom erkrankten Euter verwenden. Dabei wird die betroffene Milch
in ein Reagenzglas gegeben und gleich wieder weggeschüttet; die Milch,
die am Reagenzglas kleben bleibt wird zur ersten Verdünnung mit 1 ml
Wasser benutzt; die Mischung wird 10- 30 Mal kräftig geschüttelt,
dann wieder weggeschüttet, wieder mit 1 ml Wasser verdünnt, geschüttelt,
weggeschüttet. Der Verdünnungsvorgang wird insgesamt 10 Mal wiederholt,
wobei Hans die letzten drei Verdünnungen in eine Wasserflasche giesst,
diese dann mit Wasser auffüllt und noch einen „Gutsch“ Schnaps
dazugibt. Das Präparat wird der Kuh im Kreuz kräftig eingerieben.
Bei Kreuzvierteln kommen Aconitum und Belladonna zum Einsatz, beim Trockenstellen
Phytolacta, Urtica & Silicea. Die beiden Referenten empfehlen, im Einzelfall
die genauen(Krankheits-) Symptome abzuklären und den Tiertyp mit ein
zu beziehen. Homöopathie kann ohne Grundwissen und Erfahrung nicht einfach
aus dem Handgepäck gezaubert werden!

Für eingefleischte Naturwissenschafter ist die Homöopathie
nach wie vor ein rotes Tuch und wird vor allem mit dem Placebo-Effekt erklärt.
Den Kühen dürfte dies ziemlich egal sein, der Pharma-Industrie dagegen
weniger. Tatsache ist, dass unsere beiden Referenten mit deutlich weniger
Tierarzt-Besuchen und praktisch keinen Antibiotika-Einsätzen auskommen.
Projekt Weidekuhgenetik
Valerie Piccand informiert uns über das Projekt, seine Ziele, die Zwischenergebnisse.
Ziele: Charakteristika der guten Weidekuh herausfinden; Objektive Merkmale
definieren; den Vollweidebauern dank besserer Genetik besseres Einkommen ermöglichen
Versuchsanordnung: 13 Praxisbetriebe (4 Betriebe in der Bergzone, 2 Biobetriebe,
5 Nicht-Silobetriebe); 50 Vergleichspaare (immer je eine NZ-Genetik-Kuh mit
einer Schweizer Vollweide-Kuh im Vergleich). Schweizer Kühe: zu je einem
Drittel HF, BV und FT. NZ-Genetik-Kühe: 2-3 Generation HF mit NZ-Genetik
(in Irland gezüchtet)
Ergebnisse: In ersten provisorischen Ergebnissen haben die Tier mit NZ-Genetik
eine bessere Energieeffizienz gezeigt (kg ECM / kg Körpergewicht).
Genetik Empfehlungen
Remo Petermann und Hans Braun informieren über die besten Stiere zur
Verbesserung der Weidegenetik. Ihre Empfehlungen finden sich hier
(nur für Mitglieder).
Betriebsrundgang

Am Nachmittag führte uns Stefan über seinen Betrieb. Anders als
bei den meisten Vollweidebetrieben mit saisonaler Abkalbung, kalben die Kühe
von Stefan schon im Januar ab. Die Kühe wurden schon alle wieder besamt
und der grösste Teil habe verwochnet. Der Grund für die frühe
Abkalbesaison ist die häufige Sommertrockenheit und die damit verbundene
Futterknappheit. Bei Stefan sind die Kühe um diese Zeit schon über
die Halbzeit der Laktation hinaus und können auch mit wenig Weidefutter
ohne Zufütterung auskommen.
Ein weiterer Vorteil sei, dass die Kühe beim Einstallen im Herbst gleich
trocken gestellt werden können und nicht noch gutes konserviertes Futter
für den letzten Laktationsmonat brauchen.
Die Kälber werden von „Ammenkühen“ getränkt,
was sicher viel Arbeit einspart.
Typisch für Vollweidebetriebe war auch, dass die Kühe auf der
Weide zu finden waren, wohl die einzigen um diese Jahreszeit in der Region.
So führte uns Stefan über die zum Teil steilen Weiden zur Herde.

Auf den Weiden fiel der hohe Anteil Rohrschwingel auf. Dieser hat tiefe
Wurzeln und übersteht die Sommertrockenheit besser als andere Gräser.
Er muss aber kurz gehalten sein, damit ihn die Kühe fressen.

Ob den Weiden kamen wir zu Stefan`s jüngstem Betriebszweig: Tafeltrauben.
Eingezäunt und überspannt mit Netz und Folie wachsen auf 30a die
Trauben. Wer wollte, hat am Mittag von den eigenen Weinbeeren versuchen können.
Sie waren übrigens ausgezeichnet.
Es sei eine kapital- und arbeitsintensive Kultur. Zum Glück geben bei
der Arbeitsspitze der Trauben die Kühe nicht mehr so viel Arbeit.