Fruchtbarkeitsmanagement bei der saisonalen Frühjahresabkalbung
Markus Bühlmann
Genau Planen und Arbeitsspitzen in Kauf nehmen
Beim Fruchtbarkeitsmanagement in Vollweidesystemen mit saisonaler
Abkalbung gibt es ein paar Besonderheiten, die zu beachten sind. Man muss
bereit sein, genau zu planen und extreme Arbeitsspitzen in Kauf zu nehmen.
Wenn die Kühe galt gestellt werden, müssen sie im idealen Nährzustand
sein (fit aber nicht fett). In der Abkalbeperiode von Februar/März achtet
man besonders auf ein sauberes und schonendes Abkalben. Die Kühe müssen
sehr genau beobachtet werden, damit bei Störungen oder Krankheiten sofort
eingegriffen werden kann und keine Zeit verloren geht. Die Synchronisation
der Tiere erfolgt auf natürliche Weise. Es werden praktisch keine Medikamente
und Hormone eingesetzt.
In der Zeit der Besamung kann man sich keine Fehler leisten.
Fehlende Zeit für die Brunstbeobachtung führt zu Fehlbesamungen
und das System gerät ins Wanken.
Damit das Fruchtbarkeitsmanagement in Betrieben mit saisonaler Abkalbung ohne
Störungen funktioniert, müssen klare Ziele gesetzt und konsequent
verfolgt werden. Die genaue Planung ist einer der Erfolgsfaktoren.

Kamar - eine Farbkapsel zur Brunsterkennung (siehe Hilfsmittel).
Eine gute Milchviehherdenfruchtbarkeit ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren.
Die richtige Kondition einer Milchviehherde Ende Laktation ist für
eine gute Fruchtbarkeit mitverantwortlich. Die Idealwerte liegen bei 3 - 3.5
BCS-Punkten. Die Galtfütterung ist so zugestalten, dass die Kühe
ihre Kondition in diesem Bereich halten können.
Vor der Abkalbesaison ist eine Liste sämtlicher Kühe und Rinder
zu erstellen, gereiht nach Deckdatum. Diese Liste muss zusätzliche Spalten
für Deckstier, Abkalbedatum, TVD-Kalb, Geschlecht und evtl. Name des
Kalbes enthalten.
Der gewünschte Abkalbezeitpunkt wird so gewählt, dass während
der Decksaison ein maximaler Weidegraseinsatz mit bester Qualität möglich
wird. Unter Berücksichtigung dieser Voraussetzung kommt der Abkalbestart
auf Mitte Februar zu liegen. Der Anfang der Decksaison fällt somit auf
Anfang Mai.
Die Abkalbesaison ist die arbeitsintensivste Zeit auf dem Vollweidebetrieb.
Darum ist hier genügend Zeit einzuplanen. Sauberkeit und ruhiger Umgang
mit den Tieren während dem Abkalben sind wichtige Voraussetzungen, damit
die Fruchtbarkeit der Herde nicht beeinträchtigt wird. Die Beobachtung
der Kühe ist sehr wichtig, damit bei Störungen oder Krankheiten
sofort reagiert werden kann. Die behandelten Tiere werden notiert, damit nächstes
Jahr möglichenfalls vorbeugend etwas unternommen werden kann. Die Fütterung
während der Startphase sollte eher energiereich gestaltet werden (BCS
der Kühe im Auge behalten).
Mit dem Weidebeginn Mitte bis Ende März werden die Kühe wieder
brünstig. Damit auf dem Vollweidebetrieb das Brunstmanagement erfolgreich
umgesetzt wird, verwendet man den speziellen Brunstkalender mit dem Farbschema.
Es ist wichtig, alle Beobachtungen auf diesem Brunstkalender zu notieren.
Für eine erfolgreiche Brunstüberwachung und Belegungsstrategie wird
folgendes Vorgehen vorgeschlagen.
Gelb - Grün - Rot
Zuerst wird das Datum für den gewünschten Belegungsstart festgelegt.
Das Programm beginnt
28 Tage vor dem Belegungsstart. An diesem Zeitpunkt fängt die Brunstüberwachung
an. Die Schwanzansätze aller Kühe und deckfähigen Rinder werden
mit gelber Farbe bemalt, damit eine allfällige Bespringung durch eine
andere Kuh ersichtlich wird. Die gelbe Farbe soll bei allen Kühen und
Rindern, welche über die nächsten 21 Tage eine Brunst zeigen, durch
grüne Farbe ersetzt werden.
Bis 7 Tage vor dem Belegungsstart ist so ein vollständiger Zyklus durchlaufen
und es sind Kühe mit zwei Farben in der Herde: Grün und Gelb. Diejenigen
Kühe, welche immer noch die gelbe Farbe tragen, haben überhaupt
keine Brunst gezeigt. Kühe, die nicht zyklisieren, müssen vom Tierarzt
untersucht und nach Bedarf behandelt werden. Dies gilt nicht bei Kühen,
die relativ spät abgekalbt haben, dort wird noch zugewartet. Kühe
(meist „Grüne“ und hoffentlich einige „Gelbe“),
die während den letzten 7 Tagen vor dem Belegungsstart brünstig
werden, sind orange zu bemalen.
Ab Belegungsstart (z. B. 1. Mai) sollen alle Kühe und Rinder in Brunst
besamt und mit Rot markiert werden. Nur Kühe besamen die einen Duldungsreflex
zeigen!
Am 14. Tag nach dem Belegungsbeginn soll bei Kühen, die immer noch
gelb tragen, der Tierarzt eine zweite Untersuchung vornehmen.
hier den Brunstkalender
von Remo Petermann herunterladen
Genug Zeit für die Tierbeobachtung verwenden
Bei der Brunstüberwachung ist während des ganzen Programms genügend
Zeit für die Beobachtung der Kühe einzuräumen, denn ohne gute
Fruchtbarkeitsleistung ist die saisonale Abkalbung nicht möglich. Die
beste Beobachtungszeit ist am Morgen vor dem Melken und abends so spät
wie möglich.
Die gewählten Zuchtkühe sind nur bei der Erst- und evtl. Zweitbesamung
mit Milchviehstieren zu belegen, sonst erhält man spätgeborene Aufzuchtkälber,
die dadurch eine verkürzte Wachstumszeit haben. Tiere die zum dritten
Mal besamt werden und Kühe die nicht für die Nachzucht bestimmt
sind, werden ausschliesslich mit Maststieren gedeckt. Eine zweimonatige Belegungsperiode
gibt unter der Anwendung des empfohlenen Synchronisationsprogramms allen zyklierenden
Kühen dreimal die Gelegenheit trächtig zu werden.
Da Rinder schon mit 24 Monaten abkalben, ist es angezeigt, sie mit Angus-
oder Jerseybullen zu belegen, damit keine Schwergeburten auftreten. Auf Tiere,
die am Ende der Decksaison zu belegen sind, sollen keine französischen
Mastrassen eingesetzt werden, weil Trächtigkeiten aus diesen Kreuzungen
länger dauern als Trächtigkeiten von Angusstieren.
Wenn Ende Decksaison die Quote der nicht trächtigen Kühe und
Rinder unter 10 % liegt, ist die Besamungssaison sehr erfolgreich verlaufen.
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