Aktuell

 

Vorbereitung der Abkalbesaison

Susanne und Joss Pitt-Käch

Die Abkalbesaison ist zweifellos die arbeitsintensivste Zeit in einer Herde mit Blockabkalbung. Gleichzeitig ist es auch eine Schlüsselperiode für das Gelingen der Saisonalität. Eine möglichst problemlose Geburt und ein guter Start in die neue Laktation sind wichtige Faktoren für die Fruchtbarkeit. Viel zu einem besseren, stressfreieren Ablauf dieser Periode kann eine durchdachte Vorbereitung beitragen. Zwar hat jeder Betrieb andere Voraussetzungen und jeder Betriebsleiter unterschiedliche Vorlieben. Im Folgenden möchten wir aber als Anregung einige Ueberlegungen darlegen, die wir auf unserem Betrieb anstellen.

Ueberlegungen zu den Kühen

In der Galtfütterung ist man sehr darauf bedacht, die Kühe nicht verfetten zu lassen. Haben aber alle die erwünschte Abkalbekondition? Empfohlen wird ein BCS von 3 - 3.5. In unserer Holsteinherde haben nicht alle Kühe abgerundete Hüftbeinhöcker, erreichen also die Note 3 nicht. Diese verwöhnen wir - dank Selbstfanggitter ist dies ohne Gruppeneinteilung möglich - mit einer Extraportion Grassilage. Den anderen wird eine aus Grassilage und Oekoheu bestehende Ration verabreicht, limitert auf den Erhaltungsbedarf für Kuh und Kalb. Bezüglich Mineralstoffen wird lediglich Viehsalz, ergänzt mit einer Spurenelementmischung, verarbreicht.

Die Rinder sind bereits seit der Einstallung mit den Kühen zusammen und haben die Phase des Anpassungsstresses bereits hinter sich. Etwa 2 Wochen vor Abkalbebeginn werden wir sie mit den Kühen durch den Melkstand treiben, mit dem Ziel, später weniger Unruhe und Umtriebe zu haben.

Trotz restriktiver Galtfütterung und Verabreichung von Ca-Produkten nach dem Abkalben hatten wir in der Vergangenheit immer wieder Kühe mit Festliegen. Wir vermuten, dass dies in Zusammenhang mit unseren sehr alkalischen Moorböden steht, die offenbar Mg und Spurenelemente im Boden binden und so weniger verfügbar für Pflanzen machen. Letztes Jahr meinten wir, das Problem mit Magnesiumgaben während der Galtzeit und Ca-Pulver nach dem Abkalben im Griff zu haben. 3 Kühe von rund 30 hatten aber trotzdem eine Ca-Infusion nötig. Danach wechselten wir die Strategie und spritzten zusätzlich Vitamin D3 bei älteren Kühen. Von diesen lag keine fest. Deshalb werden wir dieses Jahr älteren Kühen Vitamin D3 wieder verabreichen. Zur guten Vorbereitung gehört, sich dieses Mittel, wie auch das Ca-Pulver zum Eingeben vorgängig zu beschaffen. Wir haben festgestellt, dass das Pulver günstiger ist, als Gel oder Boli, trotz gleichem Gehalt.

Des Weiteren haben wir uns vorgenommen, in der Kühltruhe ein Inventar unserer letztjährigen Colostrumreserven zu machen, nicht zuletzt auch um Verwechslungen mit Schwiegermutters Kürbissuppe zu vermeiden :-). Sämtliche Kälber erhalten nämlich sobald als möglich Colostrum von ihren handgemolkenen Müttern, und wenn diese Melkerei ein zu gefährliches Unterfangen ist oder bei Rindern, greifen wir auf die von älteren Kühen stammenden Tiefkühlreserven zurück. Wir finden diese Vorgehensweise effizienter, als auf die nächste Melkzeit zu warten oder einzelne Kühe extra in den Melkstand zu treiben. Je weniger Zeit nämlich von der Geburt bis zum ersten Melken verstreicht, desto "dicker" und reicher an Abwehrstoffen ist die Biestmilch. Bekanntlich sinkt mit zunehmender Lebensdauer gleichzeitig auch die Fähigkeit des Kalbes, die Immunoglobuline durch die Darmwand aufnehmen zu können. Selbstverständlich wird das Biestmilch-Lager während der ganzen Saison regelmässig nachgefüllt. Wenn immer möglich, frieren wir Colostrum von älteren, möglichst rasch nach dem Abkalben gemolkenen Kühen ein. Colostrum-Überschüsse wandern bei uns in das Joghurtmilch-Fass. Die Wirkstoffe in der Biestmilch können zwar vom älteren Kalb nicht mehr aufgenommen werden, entwickeln aber eine positive, keimregulierende Wirkung im Darm.

Material und Infrastruktur

Die neue Saison starten wir mit neuen Zitzengummis, weshalb wir den Melkmaschinenservice im Januar organsieren. Sowohl unsere Abkalbeboxen wie auch die Kälberunterkünfte sind Provisorien, d.h. sie werden im Sommer andersweitig genutzt. Deshalb gilt es jetzt, diese Infrastruktur wieder herzurichten. Zur Vorfreude und Vorbereitung gehört auch, alte Nuggis an Tränkeeimern und -Flaschen zur ersetzen - und welch Luxus - den einen oder anderen neuen Milchkessel anzuschaffen.

Geburtshilfeketten überprüfen wir und einigen uns auf einen Ort, wo wir sie, möglichst diszipliniert, nach Gebrauch jeweils verräumen. Im Übrigen eignet sich die Vorbereitung auf die Abkalbesaison noch besser als Silvester zur Fassung von guten Vorsätzen: Wir nehmen uns vor, dieses Jahr systematisch und ordentlich zu sein, die Kälber sofort zu markieren und anzumelden, jede Behandlung sofort ins Journal einzutragen. Apropos Behandlung: Jetzt haben wir Zeit, unsere Medikamentenschränke zu überprüfen und die wichtisten Mittel neben dem erwähnten Vitamin D3 und Ca-Pulver fürs Lager anzuschaffen. Ach übrigens: Wo ist nur der Fiebermesser geblieben?

Unsere Ausführungen zur Vorbereitung der Abkalbephase sind sicher nicht vollständig und abschliessend und sind lediglich als Anregung gedacht. Schliesslich hilft die gedankliche Auseinandersetzung mit den kommenden Geburten, sich auf diese Zeit einzustellen, und sich trotz vollem Genuss der Melkerferien, gänzlich darauf zu freuen.