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Artikel in "die grüne" Nr. 8/2015

Die höheren Milchleistungen der letzten Jahre gehen mit höheren
Kraftfuttergaben einher. Kraftfutter wird aber nicht überall gleich
effizient eingesetzt. Zu viel davon verdrängt einerseits Grundfutter
und wirkt sich andererseits negativ auf den Arbeitsverdienst aus. ...

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Erfahrungen mit Erstlingskühen neuseeländischer Abstammung

Susanne und Joss Pitt-Käch

Auf unserem Vollweide-Betrieb mit saisonaler Abkalbung verwenden wir seit 2003 neuseeländische Holsteinstiere. Nun haben die ersten F1-Kühe ihre erste Laktation abgeschlossen (Der Ausdruck F1 ist in diesem Zusammenhang nicht ganz richtig: unsere Herde besteht mehrheitlich aus Holstein und Red-Holstein-Kühen und auch in Neuseeland findet man nicht ausschliesslich Friesenblut, sondern auch Holsteinblut aus Nordamerika und Holland).

In untenstehender Tabelle sind die Ergebnisse der 12 Erstlingskühe festgehalten. 11 von ihnen stammen von den drei in der Schweiz verfügbaren NZ-Holstein-Stieren Hugo, Keet und Kelvar, eine vom NZ-Jersey-Stier Lad. Die Exterieurdaten zum Brustumfang und zur Grösse wurden anlässlich der linearen Beschreibung in der ersten Laktation erhoben, das Lebendgewicht (LG) anhand des Brustumfangs berechnet. Als Vergleich sind auch die 1. Laktation-Resultate der Mütter sowie der Erstlingskühe vom Vorjahr angegeben.

Auswertung 1. Laktation Anzahl Milch kg Fett % Protein % Brustumfang Grösse LG kg Kraftfutter kg/Kuh/Lakt.
F1-NZ-Kühe 12 6050 4.66 3.38 191 138 567 230
Mütter 12 6638 3.94 3.17 191 142 563 350 - 1000
Erstlingskühe 2005 (CH-Holstein) 12 6322 4.34 3.20 195 143 604 300

 

Die Ergebnisse bestätigen die Erwartungen: Die etwas kleineren neuseeländer Kühe geben zwar weniger Milch als ihre Mütter, ihre Milchgehalte sind jedoch deutlich höher. Die energiekorrigierten Leistungen fallen gar zugunsten der NZ-Kühe aus: 6613 kg gegenüber 6570 kg ihrer Mütter und 6578 kg der Erstlingskühe 2005.

Im saisonalen Betrieb ist die Fruchtbarkeit ein Kriterium von hoher Bedeutung. Dazu lässt sich folgendes sagen: 11 von 12 NZ-Töchtern wurden im ersten Zyklus wieder trächtig, die Zwölfte. im zweiten Zyklus. Im Vorjahr waren 3 von 12 Erstlingskühen nach 13 Besamungswochen noch leer; eine Kuh wurde erst nach 9 Wochen wieder trächtig, d.h. nur ¾ wiesen eine für die saisonale Abkalbung ausreichende Fruchtbarkeit auf.

Die Daten der F1-Tiere stimmen uns zuversichtlich, mit dieser Genetik eine fruchtbare und trotzdem leistungsfähige Kuh züchten zu können. Zum Vergleich: Die Höchstleistung der CH-Holstein-Mutter in der 1. Laktation lag bei 9217 kg (3.68 % Fett, 3.05% Eiweiss). Ihre Hugo-Tochter weist 7481 kg auf (4.17% Fett, 3.25% Eiweiss) auf. Die tiefste Mutterleistung lag bei 4668 kg (4.13% Fett, 3.13% Eiweiss). Ihre Hugo-Tochter erreichte 5805 kg bei 4.29% Fett und 3.34% Eiweiss. Weitere Mutter-Tochter-Vergleiche zeigen ähnliches und lassen hoffen, längerfristig nicht mit markanten pro Kuh-Leistungsrückgängen rechnen zu müssen, aber die in Bezug auf die Fitness im Weidebetrieb gefährlichen Leistungen mit massivem Körperfettabbau nicht mehr anzutreffen.

Weitere positive Punkte zu Gunsten der NZ-Töchter ist die gute Melkbarkeit (keine ist zähmelkend, aber auch keine verliert Milch), der umgängliche Charakter und die guten Klauen (positive Rückmeldung vom Klauenpfleger). Gute Abkalbeeigenschaften und lebhafte, einfach zu tränkende Kälber schlagen ebenfalls positiv zu Buche. Negativ ist, besonders bei Hugo, die Euteraufhängung vorne, begleitet von vorderen Zitzen, die etwas weit auseinanderliegen.

Alles in allem hat sich für uns der Einsatz gelohnt und wir fahren sicher, soweit verfügbar, mit den weideerprobten NZ-Stieren weiter.