Homöopathie

Homöopathie auf der Weide und im Stall (Betriebsbesichtigung)

Thomas Blättler und Beat Brönniman

Stefan Jegge führt uns in die Entstehung der Homöopathie ein. Sie wurde vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann um 1800 begründet. Unter anderem im Selbstversuch hat er festgestellt, dass „ Ähnliches oft mit Ähnlichem“ geheilt werden kann. Durch die so genannte Potenzierung (starke Vermischung und Verdünnung) der natürlich gewonnenen Mittel und dem ganzheitlichen Ansatz bei der Erfassung des Krankheitsbildes entstand die heutige Homöopathie.

Stefan Jegge hat bei der Umstellung seines Betriebes auf den Bio-Landbau den Zugang zu dieser Behandlungsform gefunden. Da in der biologischen Landwirtschaft grundsätzlich natürliche und ganzheitliche Lösungsansätze bevorzugt werden und zudem beim Antibiotika-Einsatz doppelt so lange Sperrfristen eingehalten werden müssen, war es nur ein logischer Schritt, dass sich Stefan bald intensiv mit der Homöopathie beschäftigte. Er hat seither viele Kurse (v.a. bei Lechel Uschi, Deutschland) besucht und mannigfaltige persönliche Erfahrungen gesammelt, die er uns ausführlich schildert.

Wohl am erstaunlichsten und typischsten ist die Behandlung einer Kuh, die eines Morgens durch apathisches Verhalten, Fress-Unlust, Durchfall, starken Milchrückgang und Fieber von 41,5° Grad auffiel. Statt den Tierarzt zu alarmieren verabreichte Stefan der Kuh Aconitum C 200 und erreichte damit eine Absenkung der Fieber auf 38° innerhalb von 2 Stunden. Nach einer weiteren Behandlung mit Apis, Nux vomica und Lachesis nahm dann auch die Fresslust wieder zu. Die erfolgreiche Behandlung bedurfte aber verschiedener Behandlungsschritte und erstreckte sich über mehrere Tage. Stefan betont, dass der Einsatz homöopathischer Mittel auf dem Bauernhof eine gute Grundschulung, noch intensivere Beobachtung der Tiere und oft etwas Geduld verlangt.

Tagung bei der Familie Jegge.

Die Erfolge sind bei Braun Hans ebenso erstaunlich. Seit fünf Jahren wird auf seinem Betrieb keine Antibiotika mehr eingesetzt. Dies zahlt sich bei ihm auch beim Milchpreis aus, da er diese als NOP-Milch für Baby-Nahrung und Spezialprodukte verkaufen kann. An verschiedenen Fallbeispielen und mit Zellzahlen der behandelten Kühe über mehrere Laktationen illustriert uns Hans seine Behandlungsmethoden und Erfolge mit der Homöopathie.

Bei der Anwendung erfahren wir verschiedene Methoden: Stefan nimmt die Kügelchen in die trockene Hand und legt sie der Kuh direkt unter die Zunge, während Hans sie ohne Berührung auf die Schleimhaut der Scheide „wirft“ (Nebenbei: die Aufnahme der Präparate erfolgt am besten über die Schleimhäute).

Spezielle Beachtung findet die Behandlung von Kühen mit hartnäckigen Euterentzündungen, wo beide Landwirte eigene Präparate mit der Milch vom erkrankten Euter verwenden. Dabei wird die betroffene Milch in ein Reagenzglas gegeben und gleich wieder weggeschüttet; die Milch, die am Reagenzglas kleben bleibt wird zur ersten Verdünnung mit 1 ml Wasser benutzt; die Mischung wird 10- 30 Mal kräftig geschüttelt, dann wieder weggeschüttet, wieder mit 1 ml Wasser verdünnt, geschüttelt, weggeschüttet. Der Verdünnungsvorgang wird insgesamt 10 Mal wiederholt, wobei Hans die letzten drei Verdünnungen in eine Wasserflasche giesst, diese dann mit Wasser auffüllt und noch einen „Gutsch“ Schnaps dazugibt. Das Präparat wird der Kuh im Kreuz kräftig eingerieben. Bei Kreuzvierteln kommen Aconitum und Belladonna zum Einsatz, beim Trockenstellen Phytolacta, Urtica & Silicea. Die beiden Referenten empfehlen, im Einzelfall die genauen(Krankheits-) Symptome abzuklären und den Tiertyp mit ein zu beziehen. Homöopathie kann ohne Grundwissen und Erfahrung nicht einfach aus dem Handgepäck gezaubert werden!

Weidekuh

Für eingefleischte Naturwissenschafter ist die Homöopathie nach wie vor ein rotes Tuch und wird vor allem mit dem Placebo-Effekt erklärt. Den Kühen dürfte dies ziemlich egal sein, der Pharma-Industrie dagegen weniger. Tatsache ist, dass unsere beiden Referenten mit deutlich weniger Tierarzt-Besuchen und praktisch keinen Antibiotika-Einsätzen auskommen.

Projekt Weidekuhgenetik

Valerie Piccand informiert uns über das Projekt, seine Ziele, die Zwischenergebnisse.

Ziele: Charakteristika der guten Weidekuh herausfinden; Objektive Merkmale definieren; den Vollweidebauern dank besserer Genetik besseres Einkommen ermöglichen

Versuchsanordnung: 13 Praxisbetriebe (4 Betriebe in der Bergzone, 2 Biobetriebe, 5 Nicht-Silobetriebe); 50 Vergleichspaare (immer je eine NZ-Genetik-Kuh mit einer Schweizer Vollweide-Kuh im Vergleich). Schweizer Kühe: zu je einem Drittel HF, BV und FT. NZ-Genetik-Kühe: 2-3 Generation HF mit NZ-Genetik (in Irland gezüchtet)

Ergebnisse: In ersten provisorischen Ergebnissen haben die Tier mit NZ-Genetik eine bessere Energieeffizienz gezeigt (kg ECM / kg Körpergewicht).

Genetik Empfehlungen

Remo Petermann und Hans Braun informieren über die besten Stiere zur Verbesserung der Weidegenetik.

Betriebsrundgang

Am Nachmittag führte uns Stefan über seinen Betrieb. Anders als bei den meisten Vollweidebetrieben mit saisonaler Abkalbung, kalben die Kühe von Stefan schon im Januar ab. Die Kühe wurden schon alle wieder besamt und der grösste Teil habe verwochnet. Der Grund für die frühe Abkalbesaison ist die häufige Sommertrockenheit und die damit verbundene Futterknappheit. Bei Stefan sind die Kühe um diese Zeit schon über die Halbzeit der Laktation hinaus und können auch mit wenig Weidefutter ohne Zufütterung auskommen.

Ein weiterer Vorteil sei, dass die Kühe beim Einstallen im Herbst gleich trocken gestellt werden können und nicht noch gutes konserviertes Futter für den letzten Laktationsmonat brauchen.

Die Kälber werden von „Ammenkühen“ getränkt, was sicher viel Arbeit einspart.

Typisch für Vollweidebetriebe war auch, dass die Kühe auf der Weide zu finden waren, wohl die einzigen um diese Jahreszeit in der Region. So führte uns Stefan über die zum Teil steilen Weiden zur Herde.

Auf den Weiden fiel der hohe Anteil Rohrschwingel auf. Dieser hat tiefe Wurzeln und übersteht die Sommertrockenheit besser als andere Gräser. Er muss aber kurz gehalten sein, damit ihn die Kühe fressen.

Ob den Weiden kamen wir zu Stefan`s jüngstem Betriebszweig: Tafeltrauben. Eingezäunt und überspannt mit Netz und Folie wachsen auf 30a die Trauben. Wer wollte, hat am Mittag von den eigenen Weinbeeren versuchen können. Sie waren übrigens ausgezeichnet.

Es sei eine kapital- und arbeitsintensive Kultur. Zum Glück geben bei der Arbeitsspitze der Trauben die Kühe nicht mehr so viel Arbeit.

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